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Nachrichten -
Reportage
10.11.2009
Nagler
„Im Internet muss sich was tun“
>>
 
 
© Bild Sabine Ernst
Artikel aktualisiert 11.11.2009
Die Internet Foundation Austria fördert die besten neuen Internet-Ideen. Damit zeigt sie, was alles auch heute im World Wide Web noch möglich ist.
Net-Ideen
Für Bergbauern, Blinde und Betagte
Von Mario Böck
In der Region Lieser-/Maltatal in Kärnten hat sogar der letzte Bergbauer auf 500 Metern einen DSL-Anschluss. Dafür hat ein mittlerweile verstorbener Landeshauptmann gesorgt. Das Dumme daran ist nur: Die Leute wollen vom Internet nichts wissen. „Schon das Wort stößt oft auf negative Reaktionen – das gilt als etwas Gefährliches“, erklärt Achim Meurer.
Er möchte den Menschen in seiner Region mit dem Projekt „Umaklickn“ helfen, ihre Hemmschwelle zu überwinden. Gemeinde, Feuerwehr und den Seniorenverein hat er schon ins Boot geholt. Schließlich macht das Internet Sinn in dieser abgeschiedenen Region. In ein paar Jahren soll es selbstverständlich sein, dass sich zum Beispiel der Männergesangsverein über Facebook organisiert und der Pendler in Wien mit den Leuten zu Hause chatet.
Saftige Förderungen für die besten Net-Ideen
Ein super Einfall, findet die Internet Foundation Austria (IPA). Sie lässt heuer zum vierten Mal Geld für die besten
„Net-Ideen“
springen. Acht Projekte werden mit insgesamt 200.000 Euro unterstützt, „Umaklickn“ ist eines davon. Woher das ganze Geld kommt? Die gemeinnützige Stiftung betreibt die Domain-Verwaltung in Österreich über die Firma nick.at, erklärt Vorstand Rupert Nagler: „Da gibt es ein paar Überschüsse, die wir investieren wollen.“
Gefördert werden kreative und vernetzte Projekte auf Open Source Basis. Heuer ist der Schwerpunkt das Internet für alle: „Wir wollen Menschen den Zugang zum Internet ermöglichen, die sonst nicht dazu in der Lage sind – wegen ihres Wohnsitzes, ihres Alters oder einer Behinderung“, erklärt Nagler.
Social Networks für Senioren
Ältere Menschen etwa sind immer öfter im Internet unterwegs. Die allerwenigsten von ihnen nutzen aber Sozial-Plattformen wie etwa MySpace oder Facebook. Paul Andor Farkas vom Institut CEIT möchte für sie ein eigenes Netzwerk schaffen. Damit könne man der sozialen Isolation im Alter und ihren Folgen wie etwa Demenz entgegenwirken.
Wie das von der IPA geförderte Senioren-Web aussehen soll, wird Farkas gemeinsam mit denen erarbeiten, die es betrifft. „Es muss natürlich einfach sein. Wir müssen uns überlegen, welche Funktionen für Senioren wichtig sind. Da können auch neue Anwendungen dazu kommen - etwa Erinnerungsfunktionen oder ToDo-Listen.“ Natürlich wird das Portal dann auch Schnittstellen mit den Netzwerken der Jungen haben. Jedenfalls soll es in ein paar Jahren keine Sensation mehr sein, wenn sich die Großeltern die Urlaubsfotos ihres Enkels auf den Bildschirm holen.
...oder ein Online-Stadtplan für Blinde
„Ein Hörbeispiel macht für einen Gehörlosen keinen Sinn. Und genauso ist es mit einem Online-Stadtplan für einen Blinden“, sagt Wolfgang Wasserburger. Er steht hinter dem Projekt AmauroMap. Das möchte Stadtpläne auch für Sehbehinderte nutzbar machen. Routenplaner mit Sprachausgabe gibt es ja bereits. „Wir haben nur vergessen, mit den Blinden zu reden.“
Mit der Ansage „In 175 Metern links abbiegen“ können die nämlich nur wenig anfangen. Kreuzungen im Stadtbereich können sie dagegen sehr gut wahrnehmen. „Wir bringen einen Blinden immer nur von A nach B. Wir sagen ihm nie, dass bei dem Häuserblock links von ihm auf der Rückseite seine Trafik oder sein Bäcker ist. Er wird also nie einen vernetzten Eindruck von der Stadt bekommen. Da wollen wir hin.“ Und auch dafür gibt es Geld von der IPA.
Wem hilft meine Idee?
Die Jury bereitet sich inzwischen schon auf den nächsten Ideen-Wettbewerb vor. Das Thema für 2010 steht noch nicht fest. Allen, die jetzt schon fieberhaft nach einer guten Net-Idee suchen, gibt Rupert Nagler aber noch einen Tipp mit auf den Weg: Nicht das Technische soll im Vordergrund stehen. Es geht um die Menschen. „Man muss sich überlegen: Wem hilft meine Idee und wie könnte sie das Internet verändern?“
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