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2.4.2010
Peter Berger
„Alterslimit strenger kontrollieren“
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2.4.2010
Thomas
„Ich musste mich nicht rechtfertigen“
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© Bild Hans Strunz
Artikel aktualisiert 3.4.2010
Der Besuch im Casino gilt für viele Menschen als spannende Ausnahme vom Alltag. Doch Glücksspiel hat auch ein anderes Gesicht. Dann nämlich, wenn die Jagd nach Glück zur Sucht wird.

Im Spiellokal
Reiz, Kick und süchtig nach Glück

Von Andreas Liberda

Mit Sucht hat Edis aus Ottakring nichts am Hut. Zumindest ist der 21-Jährige selbst davon überzeugt. Mittwochnachmittag steht er mit seinen Freunden vor dem Wettlokal gegenüber der Lugner City im 16. Bezirk. „Nur zehn Euro“ hat er gerade auf einen Sieg von Inter Mailand gesetzt. Natürlich habe er in der Vergangenheit schon gewonnen. Verloren aber auch. „Fifty Fifty“ beschreibt er seine Quote. Auch am Automaten sitzen er und seine Freunde öfter. „Das ist aber nur Glück. Sportwetten sind besser, wenn man sich auskennt“, sagt Edis.

Nicht nur Spieler machen Geld

Wie viel Geld er schon in den Automaten geworfen hat, kann oder will er nicht sagen. Überhaupt hält sich die Auskunftsfreudigkeit in den Wettbüros in Grenzen. In einem Wettlokal neben dem Westbahnhof regiert die Skepsis. „Ihr schreibt eh immer nur, dass alle spielsüchtig sind. Über die ganzen Arbeitsplätze durch das Glücksspiel spricht niemand“, gibt ein Spieler zu bedenken.

Möglich, dass zumindest die Politik daran denkt. Seit Jahren verhandelt man nämlich über eine Novelle des österreichischen Glücksspielgesetzes. Schließlich geht es auch um saftige Steuereinnahmen. Nach Angaben der Grünen sind das allein in Wien an die 50 Millionen Euro. Nach Ostern könnte der Ministerrat einen neuen Gesetzesentwurf absegnen. Vor allem das sogenannte „kleine Glücksspiel“, also das Zocken an Automaten, würde dann neu geregelt werden.

Keine Zahlen, keine Kontrollen

„Wichtig wäre, dass das gesetzliche Alterslimit eingehalten und streng kontrolliert wird“, gibt Peter Berger zu bedenken. Er ist Präsident des Vereins Spielsuchthilfe und als solcher mit der Thematik bestens vertraut. Doch selbst er als Experte hat keine genauen Zahlen über Spielsüchtige in Wien oder Österreich. Es gibt nämlich schlicht keine Studien dazu. Aus anderen Ländern weiß man aber, das circa ein halbes bis ein Prozent der Erwachsenen spielsüchtig ist.

Spielsüchtig war auch Thomas, heute Betreiber des Weblogs Spielsucht.at. 14 Jahre alt war Thomas, als er mit dem Spielen anfing. Ein Poker-Automat hatte es dem damaligen Teenager angetan. Trotz seiner Jugend konnte er an dem Gerät rund 2.000 Schilling (145 Euro) verspielen. Mit Pausen ging seine Spielerkarriere danach über Jahre weiter. Er beschreibt, was auch Berger im Interview bestätigt. „Wenn der Schalter im Gehirn auf Spielen eingestellt ist, vergisst man alles andere rundherum.“

Geld ist nebensächlich

Das Rundherum zu vergessen, ist in manchen Wettlokalen durchaus anzuraten. In einem Wettbüro direkt am Brunnenmarkt kann man die Luft schneiden. Mittwochnachmittag sitzt eine Handvoll Männer in dem rund 30 Quadratmeter großen Raum und raucht. Auch Edis war schon hier, erzählt er. Die triste Stimmung und das Ambiente stören ihn nicht. Außerdem würden er und seine Freunde sowieso mehr Zeit vor als im Lokal verbringen.

Am Abend wird sich Edis über einen Sieg von Inter Mailand freuen können und um vier Euro reicher sein. Seine Fifty-Fifty-Bilanz wird das wahrscheinlich nicht herumreißen. Aber wie sagt der ehemals spielsüchtige Thomas im Interview: „Das Geld selber ist nebensächlich.“
 
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