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Wien
18.3.2008
Hager
"Radverkehr braucht eigene Spur auf der Straße"
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18.3.2008
Radfahrer
Vorschläge aus der Opposition
>>
 
© Bild Eva Grundnigg
Artikel aktualisiert 19.3.2008
Wenn es auf Wiens Straßen kracht, sind häufig die schwächeren Verkehrsteilnehmer die Leidtragenden. Daran erinnern nun weiß gestrichene "Ghost Bikes".
Report
David gegen Goliath
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Wenn es auf Wiens Straßen kracht, sind häufig die schwächeren Verkehrsteilnehmer die Leidtragenden. Daran erinnern nun weiß gestrichene "Ghost Bikes". Eine bessere Verkehrsorganisation könnte helfen, findet der Verein IG-Fahrrad.
von Gerhild Salcher
Wiens erstes "Ghost Bike" lehnt an der Ecke Felberstraße/Schweglerstraße. Hier starb im Vorjahr eine 43-jährige Radfahrerin bei einem Unfall mit einem Lkw. "Radfahrer werden nicht genügend wahrgenommen", ist Peter Pilsl, Vizepräsident von IG-Fahrrad, überzeugt. Einerseits liege dies daran, dass viele Autofahrer Radler als Störung betrachten. Andererseits sei die Verkehrsplanung schuld.
"Wir fordern eine Abschaffung der Radwegbenützungspflicht", so Pilsl. Sein Argument: Auf solchen Wegen sind Radfahrer für Autofahrer oft unsichtbar und tauchen dann an einer Kreuzung überraschend auf. Dann kracht es. Die IG-Fahrrad wünscht sich deshalb, dass der Fahrradverkehr auf einem eigenen Streifen auf der Fahrbahn mitläuft.
Wogen gehen hoch
Dass das Miteinander von zwei- und vierrädrigen Verkehrsteilnehmern meist alles andere als reibungslos abläuft, kann man jeden Tag beobachten. Da öffnen sich plötzlich Autotüren vor herannahenden Radfahrern. Radler zischen hinter einer parkenden Autoreihe hervor. Autofahrer ignorieren gegenüber Radfahrern die Rechtsregel. Taxis überholen mit Millimeterabstand. Es wird gehupt, geflucht, Faust geschüttelt und Stinkefinger gezeigt.
"Gefahrensituationen gibt es fast täglich. Man muss als Radfahrer extrem vorsichtig sein", betont eine 23-Jährige, die oft mit dem Drahtesel unterwegs ist. Sie wünscht sich mehr Toleranz auf der Straße.
Verständnis erforderlich
Das Kräfteverhältnis erinnert an David und Goliath. "Die Aggressionen werden immer gegeneinander aufgewogen, aber der Vergleich hinkt. Ich habe mit meinem Fahrrad vielleicht 100 Kilo, während ein Auto 1 Tonne wiegt. Das bedeutet ein völlig anderes Gefährdungspotential", erklärt Pilsl. Dass hier mehr Verständnis gefragt ist, haben auch die Autofahrer erkannt. Der ÖAMTC etwa widmet sich derzeit verstärkt der Information über Verhaltensweisen und Schwachpunkte beider Verkehrsteilnehmer.
Dabei könnten sich die Autofahrer freuen: Radfahrer nehmen keine Parkplätze weg und verursachen keinen Stau. Für IG-Fahrrad-Präsident Alec Hager wäre eine Image-Kampagne nötig, um den Umstieg aufs Fahrrad attraktiver zu machen. "Man soll den Leuten vermitteln: Wenn du mit dem Rad fährst, hast du Platz, hast du Vorrang".
Fahrradfahren freut das Klima
Der Verkehrsclub (VCÖ) sieht den Verzicht aufs Auto für kurze Strecken als wesentlichen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Nicht zuletzt in Hinblick auf den Klimaschutz will auch die Stadt den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr bis 2010 auf 8 Prozent steigern. Dafür soll ein Maßnahmenpaket sorgen - ein dichteres Radnetz und mehr Abstellanlagen sowie CityBike-Stationen.
Maßnahmenpaket
Eine derzeit laufende Auswertung der Unfall-Schwerpunkte soll zeigen, wo Handlungsbedarf besteht, erklärt der Wiener Radwegekoordinator Franz Blaha. Außerdem gebe es zahlreiche Prospekte zum Thema Radfahren in Wien. Angesprochen sind alle Verkehrsteilnehmer. "Wir setzen uns bei allen für entsprechende Toleranz und Rücksicht ein", so Blaha. Er gibt zu, dass er sich als Radfahrer "manchmal mehr Verständnis von Autofahrern" wünscht.
Die IG-Fahrrad will indes weitere Ghost Bikes aufstellen. Und sie lädt Radfahrer ein, am Karfreitag gemeinsam durch die Stadt zu kurven, um die lautlosen Fahrradfahrer zumindest sichtbarer zu machen.
Radfahren in Wien
IG-Fahrrad
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