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Nachrichten - Reportage
30.9.2008
Mayr
"Jeder Kaffee ist ein Unikat"
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30.9.2008
Ferstl
"Kaffee verkehrt ist Latte macchiato"
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1.10.2008
Röstfrisch
1. Oktober ist Kaffeetag
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© Bild Raffael Frick
Artikel aktualisiert 2.10.2008
"Das interessiert mich nicht die Bohne" würden wohl nur die wenigsten Wiener sagen, wenn es um den Inhalt ihrer Tasse geht.

Abgebrüht
Die Stadt der Schwarztrinker

Bildstory: Die Stadt der Schwarztrinker
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"Das interessiert mich nicht die Bohne" würden wohl nur die wenigsten Wiener sagen, wenn es um den Inhalt ihrer Tasse geht. In den allermeisten Fällen enthält die nämlich Kaffee - und das schon seit langer Zeit.

von Gerhild Salcher

"Hier erkennt man, dass die Tasse zu kalt war", erklärt Edmund Mayr und zeigt auf ein Plakat, auf dem mehrere gefüllte Kaffeeschalen zu sehen sind. "Hier war die Temperatur zu hoch, da schmeckt der Kaffee bitter. Perfekt ist er, wenn so ein leichter Schaum oben sitzt, den man mit dem Löffel zu Seite schieben kann".

Während der Leiter des Kaffeemuseums spricht, gurgelt im Nebenzimmer eine von unzähligen Kaffeemaschinen. Mayr streut Kakao auf das Gebräu und lässt erst dann die aufgeschäumte Milch darüber rinnen. Seine Hand vollführt einen kleinen Schlenkerer, und voilà: Ein hübsches Bäumchen ziert die Melange.

Stadt der Kaffeejunkies

Ob mit oder ohne Verzierung, kurz oder lang, picksüß oder bitter, milchbeige oder kohlrabenschwarz: Kaffee ist nach Wasser unser Lieblingsgetränk. Ja, noch vor Bier! Jeder Österreicher trinkt durchschnittlich 2,6 Tassen am Tag. Ein Fünftel der Wiener hockt jeden Tag im Kaffeehaus.

Milliarden Möglichkeiten

Was ist dran am Bohnensaft? "Jeder Kaffee - im Vergleich zu anderen Getränken - ist ein Kunstwerk und ein Unikat. Wenn ich alle Parameter, die für einen klassischen Kaffee notwendig sind, multipliziere, kann ich letztendlich 334 Milliarden unterschiedliche Kaffees zubereiten", erläutert Mayr. Seit Jahrzehnten trägt er Kaffeemaschinen, Kaffeemühlen und Zubehör zusammen und gibt sein Wissen um die richtige Zubereitung in Seminaren weiter.

Nicht immer lecker

Dass die Unterschiede beträchtlich sein können, weiß, wer unter vielversprechendem Schaum schon einmal bittere Brühe vorfand. "Ich habe in Wiener Kaffeehäusern auch schon schlechten Kaffee getrunken", gibt der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) gegenüber wienweb.at zu. "Der Kaffee ist eben nichts Statisches. Den muss man gut zubereiten können". Er muss es wissen. Ist er doch in jungen Jahren "faktisch immer nur in Kaffeehäusern gewesen bis spät in die Nacht hinein".

Früh übt sich, wer ein Barista werden will

Die Ansprüche der Konsumenten steigen. Viele haben einen Vollautomaten zu Hause und erwarten sich auch im alteingesessendsten Café einen tadellosen Latte. "Für die Gastronomie ist es fünf nach zwölf", legt Mayr unwissenden Kaffeeausschenkern die baldige Weiterbildung ans Herz.

Günter Ferstl, Obmann der Fachgruppe Wien der Kaffeehäuser, stimmt zu: "Es gibt schon viele Schulungen, Barista-Ausbildungen und Vorträge. Jeder Kaffeehaus-Besitzer muss selbst wissen, welche Art von Kaffee der Gast will und ihn entsprechend zubereiten, wenn er ein Geschäft machen möchte. Wenn er den Kaffee nicht gut zubereitet, wird er keine Gäste haben."

Coffeeshops beleben den Wettbewerb

Neben den Luxus-Kaffeestationen zu Hause brühen in den letzten Jahren auch immer mehr Coffeeshops Konkurrenzprodukte auf. Kein Problem, meint die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank: "Wettbewerb ist immer gut für die Kunden."

325 und älter

Zum Tag des Kaffees am 1. Oktober feiert die Wirtschaftskammer heuer auch einen besonderen Geburtstag: 1683, also vor 325 Jahren, eröffnete ein Armenier namens Johannes Deodat das erste Kaffeehaus Wiens in der heutigen Rotenturmstraße. Eigentlich, so Mayr, kannten die Wiener ihr Lieblingsgetränk aber schon viel früher. Eh klar. Wir sind schließlich nicht auf dem Milchschaum dahergeschwommen.
 
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